IMPULSE
Die Ausgangslage
Seit ihrer Berufung zur Geschäftsführerin der Kölner Infotrieve GmbH hatte Petra Labriga den Vermittler von Fachliteratur zu einem florierenden Unternehmen mit sieben festen und 13 freien Mitarbeitern gemacht. Nun wollte sie wissen, wo sie steht, persönlich wie beruflich, Denn die US-Mutter war weit weg und auch sonst gab es wenig Rückmeldung. „Als Chef ist man da auf sich allein gestellt“, sagt die diplomierte Anglistin
Vom Coaching wollte Labriga, die einen ersten Versuch nach zwei Sitzungen enttäuscht abgebrochen hatte, eigentlich gar nichts mehr wissen. Doch dann lernte sie über eine befreundete Journalistin die Kölner Coaching-Expertin Birgitt Morrien kennen und war trotz anfänglicher Skepsis von deren Konzept des DreamGuidance schnell angetan. „Frau Morrien war mir sympathisch“, erinnerte sich Labriga, „außerdem kam mir ihr analytisches und direktes Vorgehen sehr entgegen.“
Was das Coaching gebracht hat:
Ab vergangenem August erschien die 38-Jährige alle zwei Wochen bis zu zwei Stunden lang in Morriens ansprechend gestaltetem Gesprächsraum. Zur Klärung ihrer Situation unterzog die Coachin Labriga zunächst einer Reihe von Übungen. So ermittelte die Geschäftsführerin ihre individuellen Erfolgsprinzipien. Sie betrachtete ihre Berufsbiographie im Lichte ihrer Familiengeschichte. Mit einer fünf Punkte umfassenden „Map of Balance“ analysierte sie ihre Situation im Beruf, Finanzlage, soziale Umgebung, Gesundheit, Verbindung von Arbeit und Freizeit sowie die ihren Handlungen zu Grunde liegenden Werte.
All dies diente dem Kernpunkt in Morriens Coaching-Konzept, der so genannten Preview-Review-Technik: Mit Hilfe einer mentalen Zeitreise warf Labriga einen intuitiven Blick in ihre mögliche Zukunft und reflektierte ihr Leben. Ihre Vorstellung von einem im großen Stil gefeierten 40. Geburtstag* löste eine Reihe von Assoziationen aus, die sie mit Morrien anschließend im Gespräch vertiefte.
Nach fünf Sitzungen hatte Labriga erkannt, dass sie ihre eigenen Stärken zu wenig würdigt. Und auf Grund ihrer hohen Ansprüche dazu neigt, sich zu wenige Auszeiten zu gönnen. Andererseits hat sie manche Mitarbeiter überfordert, indem sie ihnen viele Freiheiten gelassen hat. Heute geht sie auf ihre Leute gezielter ein.
Labrigas Fazit unmittelbar nach dem Coaching:
„Coaching öffnet die Augen für die eigene Persönlichkeit. Dies hilft vor allem jenen, die glauben, perfekt sein zu müssen.“
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Was genau ist eigentlich Coaching?
Vieles von dem, was als Coaching angeboten wird, hat mit dieser Beratungsform tatsächlich nicht viel zu tun. Hier wesentliche Merkmale:
Gemeint ist ein Gesprächsprozess mit einem Experten meist über mehrere Sitzungen. Der Coach soll Verhaltensweisen, Ziele, Wertvorstellungen, Gedanken- und Gefühlsmuster des Klienten so reflektieren, dass dieser sich selbst bewusster wahrnimmt und auf der Basis eigene Lösungen entwickelt.
Anlass sind meist persönliche Krisen, Konflikte oder Herausforderungen. Ziel: bessere Bewältigung von Tagesgeschäft oder Krisen sowie Entfalten eigener Stärke. Seriöse Coaches können auf eine Vielzahl psychologischer Methoden zurückgreifen. Obwohl Coaching sich meist am Einzelnen orientiert, verbessert es auch die Zusammenarbeit in Teams.
In: Impulse / Januar 2005
Post Scriptum sieben Jahre später
Wie wichtig für das Berufliche nur scheinbar bedeutungslose Belange von Auszeiten und Mußephasen sind, erlebte auch die Managerin Petra Labriga, deren Grundthema im Coaching bei Birgitt Morrien das Feiern und vor allem das Sich-selbst-Feiern war – wohl zu ihrer eigenen Überraschung.
Sie hatte im Büro ungeheuer viel zu tun, erlebte Stress und Zeitnot, während ihr 40. Geburtstag näherrückte, ein Datum, auf das sie sich immer gefreut hatte. In der P/Review erlebte sie sich auf einem großartigen Geburtstagsfest: ihrer großen Feier.
Sie setzte die Botschaft um und beschenkte sich selbst und die ihr nahestehenden Menschen mit einem großartigen Fest auf einem Schloss zu ihrem 40. Im Rückblick ist sie sehr dankbar für dies Erfahrung:
„Wenn ich mir heute die Fotos ansehe und mich an den Abend erinnere, weiß ich, dass eine ganz besondere Atmosphäre herrschte, die manche Gäste nach dem Fest etwa so formulierten: Das Fest hat noch lange nachgewirkt, die schöne Stimmung hat man mitgenommen in die nächste Woche wie ein schönes Geschenk.
Und genau das sollte es auch sein: ein Geschenk an mich und all jene, die mich unterstützen. Der Sinn einer solche Feier: Rückschau halten, Luft holen, das Erreichte würdigen und viel, viel Kraft schöpfen für die nächsten Schritte – ob sie nun ins Tal führen oder auf die nächste Höhe.“
Die Klientin (2024)
Petra Labriga ist seit 1994 im Bibliothekswesen tätig. Nachdem sie lange Jahre hinter der Paywall gearbeitet hat, führt sie inzwischen als Leiterin der Konsortialstelle bei ZB MED die Transformation zu Open Access im Strategischen Lizenzmanagement an. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Entwicklung maßgeschneiderter Angebote für die Nutzer:innen von ZB MED und die lebenswissenschaftliche Community. zbmed.de
Der Autor (2024)
Erik Prochnow, vielseitig engagiert und tiefsinnig, schreibt derzeit für ein Musikmagazin über gesellschaftskritische Themen. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer an einer internationalen Schule arbeitet er als Coach und Heilpraktiker für Psychotherapie. Sein Lebens- und Wirkungskreis ist seit 2018 die Tschechische Republik.
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